Die Gemeinde Weilerswist

Zeittafel für Weilerswist

Steinzeit

Am Swistbach aufgefundene Waffen und Werkzeuge aus Stein (Faustkeil, Feuersteinmesser)

Der Swistbach befindet sich 20 Kilometer südlich von Bonn. Dank des Einsatzes des NABU sind die Auen nicht in Ackerland umgewandelt worden; daher liegt die „Insel“ inmitten landwirtschaftlich äußerst intensiv genutzten Fläche.

Später

Band – und Schnurkeramiker

Die Schnurkeramik ist nach der charakteristischen Gefäßverzierung benannt, bei der mit einer Schnur umlaufende Rillenmuster in den Ton eingedrückt wurden.

Ca. 38 vor. Chr.

Die Römer siedelten die Ubier an

Währenddes Gallischen Krieges, als die Ubier noch auf der rechten Rheinseite lebten, hatte Julius Caesar linksrheinisch die Eburonen vernichtet. Später überquerte er mit seinen Truppen zweimal den Fluss: Beim ersten Mal, um feindliche Germanenstämme eine Lektion zu erteilen, beim zweiten Mal um die verbündeten Ubier gegen ihre Nachbarn zu verteidigen. Auf Caesars Rat hin siedelten die Ubier auf die linke Rheinseite über.

925 nach Chr. Gründung des Heiligen Römischen Reiches
11./12.: Jhdt.

Bau der Kirche auf dem Swister Berg

Der Swister Turm, erbaut in den Jahren 1100 – 1125, ist ein Überrest der alten Pfarr- und Wallfahrtskirche des ehemaligen Dorfes Swist am Swistberg in Weilerswist. Fundamentreste des Kirchenschiffes werden dem 9. Jahrhundert zugeschrieben.

1185 Ersterwähnung des Ortes Swist
1302 „Wilre“ kam an den Erzbischof von Köln Wicbold von Holte; Hofanlage am Swister Berg war im Besitz von St. Gereon.
1303 Ersterwähnung des Ortes Weiler
1310 Ersterwähnung des Ortes Weilerswist
1368 St. Andreas zu Köln kauft die 2. Hälfte des Swister Hof.
1582 Kölnischer Krieg
1604 wurden in Brühl zwei Frauen aus Weilerswist wegen Hexerei hingerichtet
1609 Rechtsstreit mit Jülich; Huldigungseid der Einwohner von Weilerswist für den Erzbischof von Köln.
1618 - 1648 Dreißigjähriger Krieg
1623 Pest in Weilerswist
1648 Verpfändung der Herrlichkeit Weilerswist an den Bürgermeister von Köln, Johann von Boland, für 5170 Reichstaler.
1757 Dorfbrand
1756 - 1763 Siebenjähriger Krieg
1794 Besetzung des Rheinlandes durch französische Truppen
1795 Hochwasser; Erft – und Swistbrücke wurden weggeschwemmt
1797 Auflösung des Gerichts von Weilerswist
1815 Weilerswist kommt zum Königreich Preußen
1914 - 1918 I. Weltkrieg
1918 - 1926 Weilerswist war zunächst von kanadischen, später von englischen Truppen besetzt
1938 Brand der Synagoge in Weilerswist
1939 - 1945 II. Weltkrieg
1946 Die Briten beschließen die Bildung des Landes Nordrhein - Westfalen
1948 Währungsreform
1969 Kommunale Neuordnung des Kreises Euskirchen; die heutige Gemeinde Weilerswist entsteht durch Vereinigung der Gemeinden Lommersum, Metternich, Müggenhausen, Vernich und Weilerswist.
1989 Fall der Mauer
2010 700 Jahre Weilerswist

 

Die Gemeinde Weilerswist

Die Gemeinde Weilerswist wurde am 1. Juli 1969 durch das Gesetz des Landes Nordrhein-Westfalen zur kommunalen Neugliederung des Landkreises Euskirchen aus den Gemeinden Lommersum, Metternich, Müggenhausen, Vernich und Weilerswist gebildet. Die Gemeinde Weilerswist besteht heute aus insgesamt 14 Ortsteilen (Bodenheim, Derkum, Großvernich, Hausweiler, Kleinvernich, Lommersum, Metternich, Müggenhausen, Neuheim, Neukirchen, Ottenheim, Schneppenheim, Schwarzmaar, Weilerswist).

 

Schon seit Jahrhunderten fanden Menschen in der fruchtbaren Börde um Erft und Swist Nahrung und Heimat. Steinzeitmenschen, Bandkeramiker, Urnenfelderleute, Kelten und Germanen, vor allem Römer hinterließen ihre Spuren. Spätestens die Franken gründeten fast alle Dörfer und Einzelhöfe und nahmen den christlichen Glauben an. Im 9. und 10. Jahrhundert verschenkten und verlehnten die deutschen Kaiser und Könige viele Ländereien an ihre Vasallen, Kirchen und Klöster, und ihre Getreuen folgten ihrem Beispiel. So hatten im 11. und 12. Jahrhundert die Aachener Pfalzgrafen und ihre Erben größtenteils das Land zwischen Köln, Bonn, Ahr und Erft in ihrem Besitz.

 

Die Herrlichkeit Weilerswist kam 1302 gleichzeitig mit dem benachbarten Metternich durch die Verpfändung des Grafen von Hülchrath an den Kölner Erzbischof und blieb seitdem kölnischer Besitz. Den Hauptanteil am Grundbesitz in Weilerswist hatten Adel und geistliche Institutionen. Scheiffartsburg und Kühlseggen waren stattliche Wasserburgen. Die Ruine Scheiffartsburg steht heute nicht mehr. Dagegen besteht heute noch das Burghaus Kühlseggen, das aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts stammt.

 

Mit dem Einmarsch französischer Armeen endete 1794 im linksrheinischen Gebiet die Kleinstaaterei. 1798 wurde eine einheitliche Verwaltungsorganisation und Gemeindeverfassung eingerichtet, ab 1802 folgte die Neugliederung der Bistümer und Pfarreien, 1804 die Einführung des französischen Zivil- und 1820 des französischen Strafrechts. Manche dieser Einrichtungen blieben erhalten, als das rheinische Land 1816 zum Königreich Preußen kam. Jahrhundertlang war die Landwirtschaft Haupterwerbsquelle mit Burgen und wasserumwehrten Höfen als Großbetrieben.

 

"Klein Spanien"

Über kurz oder lang werden Sie auf diesen Begriff stoßen und sich fragen „Was hat Weilerswist mit Spanien zu tun?“ Hier die Erklärung: Aus einer Urkunde vom Jahr 1152 geht hervor, dass Lommersum (mit Bodenheim, Hausweiler, Ottenheim und den Schneppenheimer Höfen) um diese Zeit zum Herzogtum Limburg (Belgien) gehörte.

 

Durch Kriege, Heirat und Schenkung wechselte Lommersum mehrfach die Zugehörigkeit zu den Herrscherhäusern. 1477 fiel der Besitz Lommersum an das Haus Habsburg. 1494 übergab der Kaiser den burgundischen Besitz seinem Sohn Philipp dem Schönen, der sich zwei Jahre später mit Johanna der Wahnsinnigen, Tochter der „Katholischen Könige“ Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon, vermählte. Aus dieser Ehe geht der spätere spanische König Karl I. und deutsche Kaiser Karl V. hervor, der 1522 auf dem Reichstag zu Worms die Besitzungen Brabants - und damit Lommersum - mit Spanien vereinte. Damit gehörte Lommersum (zusammen mit Kerpen und Mödrath) zu Spanien.

 

Von 1522 bis 1786, also länger als 250 Jahre, unterstand die Herrschaft dem "Souveränen Rat von Brabant" in Brüssel. Philipp II., Sohn Karls V. und ab 1556 König von Spanien, führte unter dem Siegel der Verteidigung der katholischen Religion einen erbitterten Kampf gegen die aufständischen Niederlande, deren Protestantisch gewordene "vereinte Provinzen" (das heutige Holland umfassend) sich 1591 von Spanien lossagten. Die südlichen Provinzen, darunter Brabant mit Lommersum, wurden nun endgültig an Spanien gekettet. Für Lommersum bedeutete das eine harte und niederdrückende Zeit. Karl VI. von Spanien übertrug 1710 die vereinigten Herrschaften Lommersum und Kerpen dem Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, der damit 1712 seinen Minister, den Grafen Johann Friedrich von Schaesberg belohnte.

 

Kaiser Joseph II. verzichtete in seiner Stellung als Herzog von Brabant 1786 auf die Lehnshoheit über Lommersum und wies zudem den "Souveränen Rat von Brabant" an, seinerseits auf die oberste Gerichtsbarkeit über Lommersum zu verzichten. Damit war ein Vierteljahrtausend spanisch-habsburgische Ära für Lommersum beendet. Als reichsunmittelbare Herrschaft wurde der Ort nun Eigentum des "regierenden" Grafen August Friedrich von Schaesberg, eines Sohnes des oben genannten Johann Friedrich. An die spanisch-habsburgische Zeit Lommersums erinnert heute noch das sog. "spanische Rathaus" in Lommersum.

 

Sehenswürdigkeiten / Merkmale in Weilerswist

 

Einwohnerzahlen

1798 2.700
1803 2.925
1905 5076
1939 5934
1950 8.047
1970 11.486
2005 16.925

 

Wappen

Blasonierung: „Gespalten; vorne in Schwarz ein mit einem Kreuz besteckter, zweifenstriger silberner (weißer) Turm, hinten in Silber (weiß) ein schwarzer Adler.“

 

Das Wappen verbindet die Symbole der ehemaligen Bürgermeistereien Weilerswist und Lommersum. Der Turm symbolisiert das „Swister Türmchen“, das Wahrzeichen von Weilerswist, der Adler entstammt dem Lommersumer Gerichtssiegel von 1675. Da die ursprünglichen Farben nicht mehr zu ermitteln waren, wurden Schwarz und Silber, die Farben des Kurfürstentums Köln verwendet, dem Weilerswist seit 1303 angehörte.

 

Banner

Beschreibung des Banners: „Weiß-Schwarz im Verhältnis 1:1 längsgestreift mit dem Wappen der Gemeinde etwas oberhalb der Mitte.“

 

Gemeindepartnerschaften

Die Gemeinde Weilerswist unterhält zwei Gemeindepartnerschaften. Seit 1978 besteht eine Partnerschaft mit der südfranzösischen Gemeinde Carqueiranne und seit 1989 mit der mittelenglischen Gemeinde Whitnash.